Zinssenkung durch die EZB? Es bleibt spannend.

Zinssenkung oder nicht? Diese Frage beschäftigt derzeit den Kapitalmarkt wie keine andere. Der Blick ist erwartungsvoll gen Frankfurt am Main gerichtet. Seit Wochen erhoffen sich die Märkte eine Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB¹), doch derzeit ist keine Zinssenkung in Sicht. Der Zinssatz liegt unverändert bei 4,5 Prozent. Bei der jüngsten Sitzung im Januar* dieses Jahres hat der Rat der Europäischen Zentralbank die Leitzinsen nicht verändert. Bei ihrer Entscheidung muss sich die Europäische Zentralbank an der Inflationsrate in der Europäischen Union orientieren. Die Inflation in den einzelnen Mitgliedsstaaten kann teilweise erheblich variieren.

Sonja Rose - Online-Redakteuring und Gastautoringeschrieben von Sonja RoseSonja Rose - Online-Redakteuring und Gastautoringeschrieben vonSonja RoseGastautorin

Sonja Rose M. A. arbeitet als SEO-Managerin und Online-Redakteurin. Sie hat Politische Wissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Linguistik studiert.

Aufgaben der EZB: Was bedeutet eine Zinssenkung für die Kapitalmärkte?

Werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf die Bedeutung und die Aufgaben der EZB. Die EZB ist die Zentralbank der Länder der Europäischen Union. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Gewährleistung einer Preisstabilität. Zur Hauptaufgabe der EZB zählt die Geld- und Währungspolitik. Die Senkung oder Erhöhung der Zinssätze ist ein wichtiges Instrument, um die Geldmenge einer Volkswirtschaft zu erhöhen oder zu verkleinern. Wichtigstes Ziel ist hierbei immer die Preisstabilität, um die Inflationsrate gering zu halten.

Anfang des Jahres 2024 nähert sich die EZB diesem Ziel an, das sie bei zwei Prozent als erreicht ansieht. Insgesamt ist laut Eurostat² die Inflation in der Europäischen Union von zehn Prozent im Januar des letzten Jahres auf 3,4 Prozent im Dezember 2023 gefallen. Durch die Steuerung des Geldangebots und des Zinssatzes strebt die EZB an, die Inflation auf einem stabilen Niveau zu halten. Eine Kontrolle der Teuerungsrate ist sehr wichtig, um einen Wertverlust der Währung zu vermeiden.

Die wichtigsten Instrumente, die die EZB zur Umsetzung ihrer Geldpolitik verwendet, sind der Leitzins, Offenmarktgeschäfte und geldpolitische Operationen. Die EZB legt den Leitzins fest. Als Leitzinsen werden die festgelegten Zinssätze bezeichnet, zu denen sich Geschäftsbanken bei der EZB Geld beschaffen oder dort anlegen können.

Niedrige Zinsen

Sie beeinflusst die Kreditvergabe durch ihre Geldpolitik. Niedrige Zinsen sollen die Kreditvergabe fördern, da es für Banken günstiger wird, Geld zu leihen und es mit einem Aufschlag an Kunden weiterzugeben. Dieser Vorgang kann die Wirtschaft ankurbeln. Der Ankauf von Vermögenswerten durch die EZB führt zu einer Erhöhung der Geldmenge.

Die EZB arbeitet entweder mit einer restriktiven oder einer expansiven Geldpolitik, um Einfluss auf das Wirtschaftswachstum zu nehmen. Mit einer restriktiven Politik soll die im Umlauf befindliche Geldmenge gesenkt werden, um die Inflation zu begrenzen. Expansive Geldpolitik erhöht die Geldmenge und sorgt so im Modellfall für einen höheren Konsum und mehr Ausgaben. Die EZB kann Aussagen über ihre zukünftigen geldpolitischen Absichten machen, um die Markterwartungen zu beeinflussen. Die Instrumente der EZB ermöglichen es, die Geldversorgung, Zinsen und Liquidität im Finanzsystem zu steuern.

Magisches Viereck

Je nach wirtschaftlicher Lage und Inflationsaussichten wählt die EZB die am besten geeigneten Instrumente aus. In diesem Zusammenhang wird auch vom „Magischen Viereck“ gesprochen. Dies ist ein wirtschaftspolitisches Konzept, um verschiedene Ziele für eine Volkswirtschaft zu definieren. Dabei widersprechen sich die Ziele zum Teil und können niemals alle gleichzeitig erfüllt werden. In Deutschland hat das „Magische Viereck³“ den Charakter einer Verfassungsnorm und existiert seit 1967 als „Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft“ (StabG). Das „Magische Viereck“ dient als Leitlinie für wirtschaftspolitische Entscheidungen, um eine ausgewogene Entwicklung der Wirtschaft zu fördern.

Es besteht aus vier gleichrangigen Zielen, die in Balance gehalten werden sollen:

1. Preisniveaustabilität:

Eine durchschnittliche Inflationsrate von knapp unter 2,0 % gilt laut der EZB als Indikator für ein stabiles Preisniveau.

2. Vollbeschäftigung:

Die Wirtschaft sollte danach streben, möglichst viele Menschen in Beschäftigung zu bringen, um eine hohe Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Bei einer Arbeitslosenquote unter 3,0 % ist das Ziel der Vollbeschäftigung laut Definition erreicht.

3. Außenwirtschaftliches Gleichgewicht:

Hier geht es darum, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Exporten und Importen anzustreben, um eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.

4. Wirtschaftswachstum:

Das Bruttoinlandsprodukt soll gesteigert werden, um den Wohlstand und die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern. Angestrebt wird ein Wirtschaftswachstum von 2,0 bis 3,0 %.

Was bedeutet eine Senkung des Leitzinses für Kreditvermittler?

Expansive Geldpolitik mit niedrigen Zinsen kann die Kreditvergabe fördern, da es für Banken günstiger ist, Geld zu leihen und es weiter zu verleihen. Bei sinkenden Leitzinsen erweitert sich der Kreis der potenziellen Kreditnehmer, da durch geringere Zinszahlungen die monatliche Belastung durch einen Kredit geringer ausfällt. Eine restriktive Geldpolitik mit höheren Zinsen kann hingegen die Kreditvergabe einschränken und verteuert Kredite für Kreditnehmer.

Geldpolitische Maßnahmen

Durch geldpolitische Maßnahmen kann die Zentralbank die Liquidität im Bankensystem erhöhen. Das erleichtert es den Banken, Kredite zu vergeben. Niedrige Zinsen machen Kredite für Verbraucher und Unternehmen erschwinglicher, während höhere Zinsen Kredite verteuern. Ein weiterer Vorteil: Niedrige Zinssätze können Konsum und Investitionen ankurbeln, da die Finanzierung günstiger ist. Hohe Zinssätze können hingegen Konsum und Investitionen dämpfen. Die Geldpolitik beeinflusst die Gesamtwirtschaft. Expansive Geldpolitik kann das Wirtschaftswachstum stimulieren, während restriktive Politik das Wachstum bremsen kann.

Spürbare Veränderungen

Zusammengefasst: Je höher die Zinssätze, desto weniger Geld wird in Umlauf gebracht. Dennoch benötigt auch eine Zinssenkung eine Vorlaufzeit, bevor auf dem Markt spürbare Veränderungen feststellbar sind und zum Beispiel die Kreditvergabe an Unternehmen und Privatkunden wieder zunimmt. Eine Veränderung des Zinssatzes kann sich mit einer Verzögerung von bis zu einem Jahr auf die Realwirtschaft, das Wirtschaftswachstum und die Inflation auswirken.

Positive Entwicklungen

Derzeit ist von einem Wirtschaftswachstum wenig zu spüren. Entgegen den anvisierten vier Prozent Wirtschaftswachstum (Magisches Viereck) schrumpfte die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent. Kein Wunder, dass der Ruf nach einer Zinssenkung durch die EZB auf den Kapitalmärkten immer lauter wird. Es gibt aber auch positive Entwicklungen: Die Inflation ist rückläufig – auch aufgrund der niedrigeren Energiepreise. Eine Preisstabilität ist immer mehr in Reichweite. Nach ersten Prognosen ist mit einer Zinssenkung aber voraussichtlich nicht vor dem Ende des Frühjahrs zu rechnen.

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* Anmerkung der Redaktion: Auch im März 2024 hat die EZB entschieden, den Leitzins vorerst bei 4,5 % zu belassen. Quelle: Tagesschau.de.

Verlinkungen
¹ ECB.eu
² Europa.eu
³ Destatis.de